Divergent

 

Bereits in meiner Kindheit, nahm ich erste körperliche Defizite wahr, die im Laufe der Zeit zunahmen.

Klar diagnostizieren, konnte man die motorischen Differenzen leider nicht.

Jahrzehnte später, erhielt ich von einer italienischen Forschergruppe einen Befund: Hereditäre progressive Erkrankung der Motoneurone. Diese wird auch unter der sogenannten Amyotrophen Lateralsklerose als Subform aufgeführt.

Die Konsequenzen dieser genetischen Anomalie äußern sich im Zerfall der motorischen Nervenzellen. Als Resultat offenbart sich ein unaufhaltsamer Rückgang der Muskulatur.

Die Erfahrung mit dieser Krankheit lässt mich vieles hinterfragen, was in der modernen Gesellschaft als gegeben gilt.

Sicherlich ist dieses Schicksal mitverantwortlich, dass ich mich der Bildenden Kunst verschrieben habe.

 

Mein Studium habe ich an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe absolviert.

Mein vertrauter Professor war Gustav Kluge. In seiner Klasse war ich die längste Zeit eingeschrieben. Ich verdanke ihm sehr viel, was meine künstlerische Arbeit betrifft. Er brachte mich dahin, stets authentisch zu sein anstatt schön und anschaulich und offensichtlich.

Zwischendurch besuchte ich auch die Klassen der Professoren Stephan Balkenhol, Erwin Gross und Ernst Caramelle.

Nach meinem Studium hielt ich mich mehrfach in Italien, dem Land meiner Eltern, und in Südfrankreich auf, auch um meine Kunst weiter zu entwickeln und bestimmte Themen ausführlicher zu erforschen.

Gegenwärtig lebe und arbeite ich in der Nähe meines Geburtsortes Baden-Baden.

 

Geburt, Existenz, Tod und Kunst

 

Der Tod gehört zum Leben, er ist ein wichtiger Bestandteil der Naturgesetze.

 

Kunst ist meines Erachtens ein schwer zu beeinflussendes Phänomen, das sich im Unterbewusstsein ereignet. Sie entsteht aus Gedanken und Augenblicken. Es bestehen keine verständliche Konzepte. Eindeutige Entwürfe sind selten vorzufinden.

 

Die Menschen haben gelernt in Tiefen zu tauchen, in Höhen zu steigen und in weite Fernen zu reisen. Trotz allem sind wir so unvorstellbar unbedeutend, wie das Universum unvorstellbar groß ist.

 

 

Beklemmende Atmosphären und Kontroversen vermitteln dem Betrachter meiner Werke, dass er eben doch nicht alles verstehen und begreifen kann. Nicht für alles, stehen Erklärungen zur Verfügung, aber bewusste Vorstellungen.

Kunst ist das Unbegreifliche. Sie kann, muss aber nicht schön sein.

Kunst hat das Recht hässlich zu sein.

Kunst kann betreffend dem Nichts, alles sein.

 

Während der künstlerischen Prozesse, befinde ich mich in anderen Sphären.

 

Kunst ist das Heilige und Sinnlose zugleich. Ich bin nicht in der Lage etwas anderes zu machen.

Am Anfang beginnt ein Transfer und eine Umwandlung von Erlebtem und Fiktion.

Am Ende steht der Betrachter vor komplex verschlüsselten Botschaften.

 

Schönheit und Ästhetik existieren in meiner Arbeit nicht.

Andeutungsweise entdeckt der Betrachter Fragmente, die an ein Gefühl von vergangener Schönheit erinnern.

 

Philosophisch betrachtet ist Zeit etwas substanzloses deren Anfang sowie Ende nicht bekannt ist. Zeit existiert und ist nicht greifbar.

Lebewesen sind materiell und ersichtlich. Sie haben einen Anfang und ein Ende, werden geboren und sterben.

Geburt und Tod sind natürliche biologische Vorgänge, die wissenschaftlich exakt erklärbar sind.

Der Mensch ist sicherlich der unbedeutendste Partizipant dieses Spektakels.

 

Gibt es einen Sinn, dass sich vor 13,8 Milliarden Jahren der Urknall ereignete und das Universum, zu dem wurde was es heute ist?

Die Wissenschaften erklären und beweisen eine Menge. Aber nicht alles.

Exakt in diesen Zwischenräumen bewege ich mich. Allerdings nicht um nach wissenschaftlichen Beweisen zu suchen, sondern um die beherrschenden Gedanken und Gefühle jener Fragen zu stillen, die schließlich niemals beantwortet werden können und möglicherweise auch auf Sinnlosigkeit stoßen.

Ich betrachte unsere Existenz mit nachdenklichen, kritischen Augen. Mit meiner Arbeit suche ich die Konfrontation. Ich möchte Emotionen wecken,

wohlschmeckende ebenso wie unverdauliche Gefühle – und zuweilen provoziere ich ganz bewusst.

 

Gedanken sind bedingt durch meine persönliche Wahrnehmung meiner Lebenswelt, meines Körpers, der Gesellschaft, die mich umgibt.

 

Technisch lege ich mich nicht fest, stattdessen bevorzuge ich es, zu experimentieren und zu erproben, welche Strukturen, Formen, Farben und Materialien das ausdrücken, was ich gegenwärtig empfinde.